Die Geschichte von Vanessa und dem TUN!

"Was machst du, damit es der Welt besser geht?" Mit diesem Zettel kam Vanessa zu mir und ich war berührt. Ein neun jähriges Mädchen macht sich Sorgen um die Welt. Sie erzählte mir von ihrem Entsetzen über die Verschmutzung der Erde durch das viele Plastik. Dass daraus eine Plastikfasten-Aktion entstehen würde, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte, dass Vanessa den grünen Engel vom Bayrischen Staatsministerium erhalten würde, das Günther Jauch sie einladen würde in seine Sendung... davon ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nichts. 

Da ich selbst gerade beschäftigt war mit dem Projekt "Konferenz der Kinder", bei dem es darum ging, Kinder zu Wort kommen zu lassen über ihre Gedanken zur Welt, schmiedeten Vanessa und ich einen Plan. Wir machen einen Plastik-Vermeidungsvortrag in Murnau.

 

Was war geschehen? In der Auseinandersetzung mit dem riesigen Thema des Plastikmülls und der Ungeheuerlichkeit des Mikroplastiks und seinen Folgen, hatten Vanessa und ich für den Vortrag jeweils ein Büchlein kreiert. 

  • Plastikvemeider für Einsteiger / Fortgeschrittene / Profis… so heißt das Büchlein von Vanessa.
  • TUN! – Drogerieartikel selbst hergestellt… so heißt das Büchlein von uns, einem Team, das sich jetzt schon gebildet hatte.

Die Geschichte ging dann so weiter. Nach dem Vortrag waren wir alle motiviert mehr zu TUN! Vanessas Mutter hatte mit ihrer Tochter dann eine geniale Idee. "Wir sammeln alle gelben Säcke aus dem Dorf und stapeln sie vor dem Rathaus auf. Dann sieht man mal wie viel Plastik in einem Dorf mit 500 Einwohnern verbraucht wird. Und dann bitten wir alle Familien zur Fastenzeit einen Monat Plastik zu fasten. Ob dann der Plastikberg kleiner wird?" Gedacht, getan!

 

Der Filmbeitrag in der Abendschau über Vanessas Engagement wurde häufiger geklickt als der vom Ministerpräsident Bewerber Markus Söder. Zeitungen, Radios und Fernsehsender waren begeistert von dieser "Skulptur des Nachdenkens". Und wir planten den nächsten Schritt.

 

Wir schnitzten mit Vanessa und den Kindern aus dem Dorf ein TUN! Schrank. Dieser soll vor dem Kramer-Laden stehen und einmal im Monat befüllt werden mit selbst gemachten Waschmittel aus dem TUN! Buch. Jeder im Dorf nimmt sich dann das was er braucht aus dem TUN! Schrank heraus – kostenlos auf Spendenbasis. Dann braucht keiner mehr eine Plastikflasche zu kaufen.

 

Der Brief an Vanessa vom Bayrischen Staatsministerium kam für alle mehr als überraschend. Sie sollte für ihr engagiertes TUN! den grünen Engel bekommen. Mutig stieg sie in der Landeshauptstadt München auf die große Bühne der Öffentlichkeit und nach ihrer Ansprache verteilte sie selbstbewusst allen Politikern und Kollegen, die auch einen Preis bekommen hatten, das TUN! Buch und eine Flasche selbst gemachtes Spülmittel. Denn ihr Anliegen ist, nur wenn möglichst viele Menschen auf Plastik verzichten, ihren Konsum neu denken, kann man der Vermüllung der Welt entgegen wirken.

 

Vanessa stand jetzt für etwas, was wir alle uns wünschen, aber nicht wissen wie wir es machen sollen. Sie stand für eine gesunde Welt ohne dem wahnsinnigen Plastikkonsum. Und aus diesem Grund wurde sie auch nach Nürnberg eingeladen zur internationalen Gipfelkonferenz der Kinder. In Vorträgen und Aktionen machte sie das Label TUN! im weltweit Zusammenhang zum Thema. Der geschnitzte TUN! Schrank stand an der Straße der Menschenrechte und die Bewohner von Nürnberg konnten sich das selbstgemachte Spülmittel abfüllen.

 

Und dann rief Günter Jauch an und ab jetzt wird die Geschichte phantastisch... ca. 40 Millionen Menschen sahen im Fernsehen Vanessas Wunsch nach weniger Plastik-Konsum, sahen, dass es nur Vorteile bringt, seine Dinge selber herzustellen um dem Verpackungswahnsinn zu entkommen, sahen, dass es Spaß macht, sein eigenes TUN! zu labeln. Sie sahen, dass sie einen direkten Einfluss haben auf die Entwicklung der Welt. 

Millionen von Menschen verbrauchten deshalb nur noch die Hälfte des Plastiks und waren glücklich über ihr TUN! In tausenden von Läden standen die TUN! Schränke. Und plötzlich mussten die Menschen nicht mehr soviel Geld verdienen, denn ihr Leben wurde ja günstiger. Und sie hatten mehr Zeit für ihre Kinder, um mit ihnen zu spielen oder sich gute Sachen einfallen zu lassen was man noch alles TUN! kann. 

 

Und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben wir noch heute auf dieser wunderschönen Erde.

 

Johannes Volkmann